Juni 02, 2003
Eppler vereppelt

...jedenfalls fühle ich mich so...

Als prägender Autor des "Berliner Programms" von 1989, das die SPD als Partei der Freiheit, der sozialen Gerechtigkeit und Solidarität usw vorstellt; als Vordenker, Friedenskämpfer und Moral Predigender hat er nun gestern die Kurve gekratzt, um in unserem Pandämonium der verkehrten Weltverbesserer seinen Platz zu bekommen: Vorauseilender Gehorsam lässt ihn dauf dem Parteitag zum Abnicken der Agenda 2010 sagen: am meisten hätten ihn die linken Kritiker von Schröders Konzept überzeugt: ihre Rezepte seien schon in den 70ern veraltet gewesen.

Das ist perfide. Es sagt, dass die Leute, die sich Gedanken darüber machen, wer denn nun die Kosten bezahlen soll, die von Staats wegen aufgelaufen sind; dass diese Leute altmodische Träumer sind, nicht ernst zu nehmen und sogar ihr eigenes Ziel schädigend, da so dumm und unwissend.
Die SPD müsse endlich zeigen, dass sie wisse, in welcher Welt wir leben. Um also dort weiter seinen Stuhl behalten zu können (man sagt da "Einfluss haben" dazu - für die gute Sache natürlich...), macht man das, was man zwar nicht richtig findet, aber...es muss halt sein, sonst machen's doch die anderen.
Wir wollen diese Haltung jetzt nicht hochrechnen, oder?

Es gibt auch Gegenbeispiele. Leute, die nicht wegen dem Einfluss-behalten in saure oder vergiftete Äpfel beißen ("diplomatisch"), sondern klar ihre Meinung sagen und danach handeln, auch auf Kosten von irgendwelchen Sesseln.

Ich erinnere nur an Regine Hildebrandt. Sie hat ihren Ministerposten in Brandenburg aufgegeben, weil sie, im Gegensatz zu ihrer Partei, mit der PDS koalieren wollte. (Später hat dann in Brandenburg die SPD mit der CDU koaliert.)
2 Jahre später war sie wieder da - in den Parteivorstand gewählt mit einem Ergebnis, das noch keine und keiner in der SPD vor ihr gehabt hatte.

So weit kann man mit Direktheit, Offenheit und Ehrlichkeit auch kommen...

Posted by Gertrud Schrenk at Juni 02, 2003 05:55 EM
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