November 19, 2004
Islam und Islamismus

Leserbrief in der FR vom 18.11.2004
Es ist merkwürdig: nach der Ermordung des Filmregisseurs van Gogh hat es mehrere Anschläge auf muslimische Einrichtungen gegeben, die dann wiederum Anschläge auf Kirchen nach sich zogen, jedoch die einzige Gefahr die uns in den Medien präsentiert wird, ist die von den "Islamisten", womit mal wieder die Angst und die Vorurteile gegen Immigranten geschürt wird. Ich habe jedenfalls von keinen Razzien auf christliche, rassistische oder neonazistische Organisationen gehört.
(Karin Reiter)

Und heute die Meldung eines Brandanschlags gegen eine Moschee in Sinsheim.

Wo ist da das religiöse Moment? Das ist eine Schlacht von Radikalen auf beiden Seiten!

Nur, warum müssen jetzt alle islamischen Leute darunter leiden? Mit welchem Recht darf man Maßnahmen gegen sie ergreifen, wie die von Schily vorgeschlagene "Zertifizierung" von islamischen Predigern? Wieso gehen diese Maßnahmen einseitig gegen alles, was mit Islam zu tun hat? Warum wird nicht gleichzeitig darüber nachgedacht, wie der rechte Radikalismus bei uns (und der ist schon sehr verbreitet, besonders in manchen Gegenden) eingedämmt werden kann?

Damit wird nur umso deutlicher, dass es nicht um Terrorbekämpfung geht.

Man hat einen neuen Sündenbock.

Dossier in der FR: "Nicht alle machen einen Unterschied zwischen dem Terror und der Religion, in deren Namen er begangen wird. Intellektuelle vieler Länder warnen vor der blinden Verteufelung des Islam." >>>
Linktipp:
Quantara. Dialog mit der islamischen Welt

Posted by Gertrud Schrenk at 03:31 EM
November 12, 2004
Theo van Gogh

Wie Radikale mal wieder die Situation für sich instrumentalisieren.
Und _das ist zum Fürchten: - alle fallen drauf rein.
Ein Mann, der kein Blatt vor den Mund nimmt (woher hat der nur den Mut?), im besonderen nicht, was Islamisten angeht, wird von einem fanatischen Islamisten umgebracht.
Es reagieren die Radikalen auf beiden Seiten: Rechtsradikale freuen sich, einen Grund zu haben, um Moscheen anzuzünden, und die Islamisten freuen sch, gegen die verhassten Ungläubigen Feuer legen zu können.
Nun schreien alle auf: Das kommt von der Toleranz, die doch nur ein Wegschauen sei!
Schon wird nicht mehr zwischen islamischen und islamistischen Leuten unterschieden. "Der Islam" ist das Böse...

Niemand fragt nach einer anderen Lesart. Niemand merkt, dass er und sie wieder einmal den Rechten auf den Leim gegangen ist, wie bei der political correctness, die mittlerweile als Schimpfwort gebraucht wird.
Das aber ist auf dem Mist der Rechten gewachsen, soziale und andere Kritik als verweichlicht zu diffamieren.
Und nun geht das weiter.
Liegt denn nicht auf der Hand, dass eigentlich noch sehr wenig passiert ist? Die Ausländeranteile in den europäische Städten steigen und erreichen oft die kritische Masse. So soll in vielen Großstätden wie Amsterdam, aber auch Stuttgart und Frankfurt, 2010 der Ausländeranteil auf über die Hälfte der Bevölkerung ansteigen.
Dazu kommt noch die aufgeputschte Stimmung auf beiden Seiten, seit die US-Administration um Bush und Co. die Anschläge auf zwei ihrer Gebäude für ihre Zwecke umgemünzt und völlig überbewertet haben. Die Diskriminierung islamischer Leute auch bei uns ist seither gewaltig gewachsen.

Dass dennoch das Zusammenleben so friedlich ist, ist geradezu ein Wunder!

Ohne die große Toleranz vieler Menschen würde noch viel Schlimmeres passieren! Man schaue nur in entsprechende Gegenden, wie Irak, wo Null Toleranz mehr wohnt.

Posted by Gertrud Schrenk at 03:43 EM