Oktober 24, 2002
Stellungnahme auf der attac-Liste zu Globalisierungskritik und Rechtsextremismus bei attac

Gesendet wurde die mail von Christof Müller.
Christof sammelt die Kritikpunkte gegen attac und beklagt vor allem die fehlende Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und Antisemitismus. Der mail angehängt ist allerdings auch eine sehr deutliche Stellungnahme gegen diese Tendenzen von Rüdiger Heescher, einem sehr aktiven Listenteilnehmer der moderierten attac-Liste. Ich hatte Rüdigers mail mit seiner Erlaubnis hier ebenfalls schon einmal abgedruckt.

mittlerweile gibt es für mich wirklich unzählige
gründe attac zu lieben. einige seien doch noch mal
aufgezählt:

-attac polen wurde von neonazis übernommen, ohne dass
daraufhin sanktionen gegen sie eingeleitet wurden

-attac ist an der durchführung der anti-bush-proteste
beteiligt zu denen auch die npd mobilisiert

- die npd hessen mobilisert ebenfalls zu der
attac-demo am 14.9. die rechtsradikalen von pro-koeln
freuen sich dass "zum ersten mal eine anti-glob-demo
mit aussagen gegen zuwanderung verknüpft wurde" (siehe
die mobilisierungszeitung von verdi)

-in der fr erscheint ein aufruf der zum widerstand
gegen den irak-krieg aufruft, offensichtlich
massgeblich von attac initiiert. unter den aufrufenden
ist auch die psychosekte ZEGG und gruppen von
bündnis90/diegrünen, die noch vor drei jahren einen
völkerrechtswidrigen angriffskrieg gegen jugoslawien
führten. der vvn/bda bezeichnete die begründung für
diesen krieg als "neue form der auschwitzlüge"

- in berlin findet eine diskussion über
"globalisierung, zins und weltwirtschaft" statt, auf
dem podium sitzen je eine vertreterin von attac, der
islamistischen sekte milli görus und der
antisemitischen freihandels-lehre silvio gesells
(siehe untenstehenden jungleworld-artikel)

- ein vertreter einer vom
infodienstgegenrechtsextremismus beobachteten partei
(büso) diskutiert seit langem auf mehreren monaten auf
diversen attac-mailinglisten mit, ohne dass sich mal
jemand dazu aufraffen kann ihn rauszuwerfen, obwohl
der charakter dieser partei mehrmals deutlich gemacht
wurde.

fazit: durch den kampf gegen globalisierung,
finanzkapital und die usa und die populistische
anbiedrung an die rassistische und nationalistische
bevölkerungsmehrheit ist attac ganz offensichtlich
anschlussfähig für rechte und islamistische
positionen. das wird von den beiden letzteren gruppen
weidlich ausgenutzt, während attac es nicht mal auf
die reihe kriegt kontakte und diskussionen mit rechten
und islamistinnen zu verhindern.

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Entmischen!

Die Bewegung gegen den Irakkrieg droht eine weltweite
Multitude aus Globalisierungsgegnern, Islamisten und
Faschisten zu bilden, die von Deutschland angeführt
wird.

von deniz yücel


Wenn am kommenden Wochenende in New York, Los Angeles
und anderen US-amerikanischen Städten einige
Hunderttausend Menschen gegen den Irakkrieg
demonstrieren, spricht nichts dagegen, dass sie die
gleichen politischen Fehler begehen und sich ähnlich
infantiler Formen bedienen werden wie ihre deutschen
Freunde. Dass solche Massenmanifestationen überhaupt
möglich sind, zeigt, dass es sich bei den USA, anders
als es ihre linken Gegner in aller Welt glauben, um
eine funktionierende bürgerliche Gesellschaft handelt,
in der die Regierung einen Krieg führen oder
vorbereiten kann, ohne dass die Bevölkerung sich zu
einer verschworenen Gemeinschaft zusammenfinden muss.
Was die US-Amerikaner wiederholt demonstriert haben,
bleibt in Deutschland ein undenkbarer Vorgang.

Denn hierzulande richten sich der Friedenswunsch und
die Krieglust nach deutschen Interessen. Selbst die
meisten der wenigen, die vor drei Jahren auf die
Straße gingen, taten das in der irrtümlichen Annahme,
beim Krieg gegen Jugoslawien handle es sich um ein
US-amerikanisches Unterfangen. Heute sind Grüne und
DKP, Poplinke und Antiimps, Möllemann und Mahler, die
sich damals unversöhnlich gegenüberstanden, friedlich
vereint. Das einzige, was die Bewegung ihrer Regierung
zu sagen weiß, ist die Bitte, sie möge Wort halten.
Der deutsche Staat ist nicht der Gegenstand der
Kritik, sondern die Appellationsinstanz. Die
Friedensbewegung hat ihren Frieden mit Deutschland
gemacht.

Der permanente Kirchentag, als der sich die
Friedensbewegung hier zu gerieren pflegt, hat
begonnen. Schon kursieren Aufrufe, man solle Laken aus
Fenstern hängen, beten und singen, dichten und
schweigen, um so zu bekräftigen, dass Krieg niemals
eine Lösung sei. Eine in Deutschland kriminelle
Aussage, die trotz ihrer regressiv-religiösen
Verkleidung keine mildernden Umstände reklamieren
kann. Hierzulande ist der unbedingte Pazifismus, so
bemerkte es einmal Wolfgang Pohrt, »nichts als
Ressentiment von Leuten, die es dem Weltpolizisten USA
verübeln, dass er ihren Eltern per Krieg das
friedliche Morden in Auschwitz ausgetrieben hat«.

Auch die irrationale, aber irre stimulierende Angst
davor, der Krieg könne auch »uns« treffen, die schon
die Proteste von 1991 beflügelte, ist wieder da. Vor
einer »Steigerung der Arbeitslosigkeit« warnt der
Frankfurter Aufruf, häufig ist von einem
bevorstehenden »weltweiten Flächenbrand« die Rede. Wer
erinnert sich schon daran, dass sich derlei morbide
Untergangsfantasien bereits beim letzten Mal
blamierten?

Auch die kalte Gleichgültigkeit gegenüber Israel kehrt
zurück. In keinem Aufruf findet sich ein Wort über die
auf Israel abgeschossenen Scud-Raketen oder über das
Geld, das Saddam den Familien palästinensischer
Selbstmordattentäter zukommen lässt. Auch die
irakischen Kurden, die vielleicht naive, auf jeden
Fall aber verständliche Hoffnungen auf einen Sturz des
Regimes hegen, sind den Friedensfreunden herzlich
egal. »Wie die Esel lassen die Kurden sich mit simplen
Tricks verschaukeln und folgen der Mohrrübe«,
kommentierte jüngst das hiesige Verlautbarungsorgan
der Baath-Partei.

Zugleich scheint der mögliche Irakkrieg eine
Entwicklung zu beschleunigen, die spätestens seit dem
11. September 2001 offensichtlich ist. So lud in der
letzten Woche ein Kreis junger islamistischer Eliten
in Berlin zu einer Diskussion über »Globalisierung,
Zinsen und Weltwirtschaft«. Auf dem Podium saßen ein
Funktionär der türkisch-islamistischen Milli Görüs,
ein professoraler Anhänger Silvio Gesells und ein
Vertreter der deutschen Sektion von attac.

In Bremen gehört zu den Unterzeichnern des örtlichen
Demonstrationsaufrufs die Islamische Föderation.
Angeführt von Fidel Castro, solidarisieren sich
kommunistische Parteien aus aller Welt mit Saddam
Hussein, und die türkische DHKP/C erklärt: »Unsere
Partei steht im Kampf gegen die USA auf der Seite der
Islamisten, Revolutionäre, Demokraten,
Antiglobalisten, Umweltschützer.«

Der Slogan der Globalisierungsgegner lautet: »Eine
andere Welt ist möglich.« Angesichts dieser illustren
Multitude, die sich als Hilfstruppe Euro-Deutschlands
gegen die USA formiert, ist das keine Verheißung,
sondern eine Drohung.
(zu der antisemitischen und rassistischen lehre
silvio gesells siehe www.contextxxi.mediaweb.at, auf
texte klicken,hefte, contextxxi 2/2001)

Diskussion bueso-attac
Eine Antwort von Rüdiger Heescher/attac

Nach diesen Ausführungen kann ich verstehen, dass man
nur noch in Kategorien von Verschwörungstheorien denken kann. Ich bin ja
selber nicht gefeit davor in einzelnen Fällen an Verschwörung zu glauben und
glaube auch an Verschwörungen, die es gegeben hat, aber bei so vielen
Einzelverschwörungen und Interpretationen von Fakten muss ich einfach
sagen:

Soviel Verschwörung gegen einen einzelnen Mann kann es
gar nicht geben. Ein einzelner Mann oder auch nur eine kleine Promille
Bewegung kann es gar nicht wert sein einen solchen Aufwand zu betreiben. Selbst wenn La Rouche irgendetwas aufgedeckt haben sollte, dann wäre das
gerade in der amerikanischen Presse total untergegangen und kein
Schwanz hätte sich dafür interssiert. Das weiss auch das Pentagon und CIA und und und. Von daher ist alles was Alexander hier geschwafelt hat ziemlich
unerheblich.

Mich interessiert nur was z.B. andere Bewegungen über Büso denken. Znet bzw.
Michael Albert ist nicht der Meinung, dass Büso eine tolle linke Bewegung
ist sondern stimmt mit den Ausführungen von IDGR überein. Auch WDR
Redaktionen sind der Auffassung des IDGR.

Zum anderen noch etwas zu den Grünen und Büso. Damals gab es handfeste
Bedrohungen von Seiten Büsos. Das war nicht nur alleine das blutdurchtränkte
T-Shirt. Es waren auch telefonische Bedrohungen von Büso Anhängern die nach
dem Leben von Petra Kelly trachteten. Das blutdurchtränkte T-Shirt wird nun
als etwas interpretiert, was es gar nicht war. Es war ganz eindeutig eine
Morddrohung!!! Wer jetzt Jahrzehnte danach versucht die Geschichte wieder
umzuschreiben, der hat sein Gehirn durch den Fleischwolf gequirlt.

Die Auslegung eine technikfeindlichkeit, sowie braune Einzelpersonen in den
Reihen der Grünen Ende 70er Anfang 80er wäre ein Grund für die Aktion
gewesen, kann nicht ganz dicht sein. Technikfeindlichkeit bezog sich bei
Büso ausschliesslich auf die Abschaltung der Atomkraftwerke und
Nuklearraketen (PershingII) Wer soetwas haben will und dann davon spricht,
dass die dritte Welt auch Atomkraftwerke haben muss, damit sie mit der 1.
Welt gleichziehen kann, der hat von linker ökologischer, pazifistischer
Politik sowieso nichts verstanden und ist dem linken Lager sowieso nicht
zuzurechnen.

Wenn Technischer Fortschritt für Büso nachwievor Atomenergie heisst, dann
brauchen wir uns sowieso nicht unterhalten.

Zum Vorwurf an die Grünen, Braune Mitglieder gehabt zu haben und deswegen
auch noch Petra Kelly dafür mit einem Mord zu drohen ist das ja wohl das
dollste was ich je gehört habe. Petra Kelly selbst stand bestimmt nicht für
braunes Gedankengut. Wenn ein Alfred Mechtersheimer gemeint ist als braunes
Mitgleid damals dann stimme ich dem zu. Das war eine Einzelperson, die sich
bei den Grünen verirrt hatte oder wie man es gerade auslegen will. Du
würdest wahrscheinlich von Verschwörung und Unterwanderung sprechen. Aber
bei den anderen wie Schily sowenig ich den auch abkann kann man bestimmt
nicht von braun sprechen. Er ist zwar schon immer fehl am Platze bei den
Grünen gewesen, aber war bestimmt nicht braun. Im übrigen hättest Du ja auch
noch Daniel Cohn Bendit aufführen können. Er hatte damals in Konkret darüber
geschrieben in einem Interview, ob es möglich wäre mit den Rechtsextremen
ins Gespräch zu kommen. Damals gab es mal eine Phase, wo sich Leute wie
Daniel Cohn Bendit (jüdischer Abstammung) in der Öffentlichkeit dazu
geäussert haben, ob es möglich wäre in den Dialog mit Rechtsextremen zu
kommen und ob es eine Zusammenarbeit geben könnte. Das hat sich aber schnell wieder erledigt. Es gab mal eine solche Zeit, wie auch
heute bei anderen in Attac schon mal darüber nachgedacht wurde und wird, wo
sich dann solche wie Anhänger von Büso und der NPD wieder Hoffnung machen
bei Attac mitmachen zu können. Aber wehret den Anfängen!

Übrigens habe ich gerade von Attac Schweiz in diesem Zusammenhang erfahren, dass Büso in Frankreich Artikel veröffentlicht und den
Anschein gibt Teil von Attac Frankreich zu sein. Das kann es ja wohl
nicht sein oder? Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass Büso Mitglied ist von
attac und wäre auch strikt dagegen.

So und nun zu dem Hauptvorwurf gegenüber Büso:

Es gibt eine antisemitische Komponente bei Büso. Die jüdische Weltverschwörung ist bei Büso ganz offensichtlich. Jeder weiss, dass ich mit
dem Regieme in Israel auch nicht einverstanden bin und selber hart gegen
Israelische Politik ins Gericht gehe. Aber bei Büso ist das anders. Büso sieht schon immer die jüdische Weltverschwörung und beruft sich sogar auf
geschichtliche Interpretationen der NPD von vor dem ersten Weltkrieg. Horst Mahler hat Euch wahrscheinlich schon Vorträge halten können über die
jüdische Weltverschwörung.

Es gibt sicherlich gerade in den USA auch in linken Kreisen eineantisemitische jüdische Weltverschwörung und kenne dieses auch von einigen
Äusserungen auf Friedenskongressen in den USA in Bezug auf "Lieberman" bei
den Demokraten usw. Aber wir sind hier in Deutschland und haben andere
Erfahrungen. Wir haben, zumindest im Westen Deutschland, eine geschichtliche
Aufbereitung der Nazizeit genossen, die die Amerikaner in keinster Weise
kennen. Dort gibt es immer noch Regionen wo die Schüler glauben, dass nicht
Kanzler Schröder sondern immer noch Kanzler Hitler in Deutschland regiert.
Die Amis finden Deutsche gerade aufgrund ihrer Nazivergangenheit richtig
toll und sehen selbst in "langhaarigen Bombenlegern" wie mir (Gleich um es
vorweg zunehmen: ich bin kein Bombenleger, aber damals 60er,70er und 80er
Jahre wurden alle langhaarigen als potentielle RAF Terroristen angesehen), ,
besonders wenn man noch blond und blauäugig ist, eine genetische Inkarnation
von dem typischen Deutschen, die in der Nazi Zeit für die Amis ihren
Höhepunkt in der Geschichte hatten. So sind die Amis nun mal und es wird
immer schlimmer gerade auch durch die Shooter Videospiele, in denen die
Nazis jetzt die Guten sind und die Latinos oder Araber jetzt die Bösen.

Eine Geschichtliche Verklärung der Nazizeit setzt sich in Amiland immer mehr
durch und macht sogar bei linken nicht halt. Wir in Europa wissen es aber
besser!!!

Also versucht bitte nicht mit dem Nazidreck aus Amiland auch noch unsere
Köpfe waschen zu wollen. Der Osten Deutschlands ist leider sehr dafür
empfänglich, aber im Westen werdet ihr bestimmt keine Chance haben.

so das wars
gruss an alle

Rüdiger

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Posted by Astrid Haarland at Oktober 24, 2002 12:39 EM
Comments

So schlecht ist attac nun auch wieder nicht! Sie haben viel bewirkt, es gibt dort gute Leute, sie arbeiten konsequent sachliche Informationen auf, bringen gute Aktionen auf den Weg usw.

Ich finde nicht, und ich habe das ja auch schon ein paarmal gesagt, dass man da so streng ideologisch vorgehen sollte, nach dem Motto "du hast mal einen falschen Satz gesagt, mit dir arbeite ich nicht mehr zusammen". Es sei in jedem Einzelfall zu entscheiden, was man zusammen tun kann.

Nicht so schwarzweiß malen (muss ich mich selber auch immer dazu erziehen...)

Dass sich die Gruppen am Rand immer um die reine Lehre streiten müssen!

Posted by: Gertrud Schrenk on 25.10.02 00:10
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