November 08, 2002
Falsche Freunde Oder: Was will Lyndon LaRouche in den Arabischen Staaten?

Quelle:
MEMRI - Middle East Media Research Institute
MEMRI Special Dispatch - 08. November 2002

Jamal Ahmad Kashoggi: ,Die arabische Suche nach amerikanischen Freunden
endet bei Exzentrikern'

Unter der Überschrift "Die arabische Suche nach amerikanischen Freunden
endet bei Exzentrikern" veröffentlichte die renommierte libanesische
Tageszeitung The Daily Star kürzlich einen Artikel von Jamal Ahmad Kashoggi,
in dem dieser die Sympathien einiger arabischer Intellektueller und
Politiker für den umstrittenen US-amerikanischen Politiker Lyndon LaRouche
und andere Vertreter der US-amerikanischen Rechten kritisiert. Die
Verschwörungstheorien, die von LaRouche oder dem rechtsextremen Politiker
David Duke vertreten werden, stellen nach Ansicht Kashoggis, der als
stellvertretender Chefredakteur für die saudische Zeitung Arab News tätig
ist, ein Hindernis für eine realistische Auseinandersetzung mit den
Herausforderungen der arabischen Welt dar.

Der Artikel Kashoggis spiegelt Positionen wieder, die von arabischen
Intellektuellen bereits in anderen Zusammenhängen geäußert wurden. So
sendete der Fernsehsender al-Jazeera im Herbst 2000 eine Talkshow unter dem
Titel "Der Rechtsextremismus im Westen und die starken arabischen Sympathien
". Der Moderator des Programms, Sami Haddad, nutzte die Sendung für eine
deutliche Kritik dieser Positionen (30. November 2000). Ähnlich scharf fiel
auch ein Kommentar von Abd al-Rahman al-Rashid, Chefredakteurs der in London
erscheinenden arabischen Tageszeitung al-Sharq al-Awsat, aus, der
Sympathiebekundungen im arabischen Fernsehen nach den Wahlerfolgen von Le
Pen kritisierte (23. April 2002, vgl.
http://www.memri.de/uebersetzungen_analysen/themen/europa_und_der_nahe_osten/eu_lepen_25_04_02.html.

Der Artikel Kashoggis erschien am 29. Oktober 2002:

"Ein Kolumnist der Zeitung Okaz aus Jeddah schrieb vor Kurzem über seine
Freude, den ,US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten' Lyndon LaRouche
(als welchen sich LaRouche selbst beschreibt) getroffen zu haben. In einer
Kolumne, die die Rückseite einer kürzlich erschienenen Ausgabe der Zeitung
schmückte, beschrieb der saudische Autor LaRouche als ,eine prominente und
einflussreiche amerikanische Persönlichkeit aus der turbulenten Welt der
amerikanischen Politik'.

Tatsächlich ist das Wort ,turbulent' die einzig angemessene Formulierung in
dem Text des saudischen Kolumnisten, denn LaRouche ist weder prominent noch
einflussreich. Er ist ein Traumtänzer, einer der vielen Exzentriker, die die
politische Bühne der USA verpesten. Es gibt viele LaRouches in Greenwich
Village und an der Columbia University. Die meisten dieser Extremisten (und
bei ihnen handelt es sich um Extremisten) glauben an Verschwörungstheorien,
,versteckte Regierungen' und an eine ,UN-Dominanz' im amerikanischen Leben.
Ihr politischer Hintergrund reicht von Trotzkismus über Marxismus zu
Rassismus und Rechtsextremismus. LaRouche durchlebte all diese Phasen.

Ich wünschte mir, der Kolumnist von Okaz hätte seine Leser über LaRouches
Hintergrund informiert, bevor er sie mit der ,freudigen Nachricht'
aufheiterte, in Amerika gebe es mutige Stimmen, wie diesen ,erfahrenen
Politiker, die rational denken und eine faire und ausgeglichene Politik
betreiben würden, wenn sie ins Weiße Haus kämen'.

Unser saudischer Kollege wäre gut beraten, wenn er sich mit seinem
Enthusiasmus etwas zurückhalten würde, weil LaRouche nicht in den Kongress
gewählt werden, geschweige denn Präsident werden kann. Denn Tatsache ist,
dass er ein verurteilter Betrüger ist, der schon mal im Gefängnis saß.

Die Tatsache, dass ein saudischer Intellektueller so froh war, einen
Amerikaner zu finden - wenn auch einen Exzentriker - der die arabische Sache
unterstützt, war die eine Sache. Ihn aber auf eine ernstzunehmende Konferenz
einzuladen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber genau das taten die
Vereinigten Arabischen Emirate, als sie ihn auf eine internationale
Konferenz über Öl und Erdgas in Abu Dhabi einluden und ihm dadurch die
Möglichkeit gaben, sich an die arabische Welt zu wenden. LaRouche wurde
gefeiert und war der Star vieler Pressekonferenzen.

Es muss erwähnt werden, dass LaRouche eine vernünftige und attraktive Seite
hat. Er ist unzweifelhaft intelligent und sehr belesen. Die Tatsache, dass
er mit 42 Jahren (1964) seinen Beruf als finanzieller Berater aufgab und
mehr als eine Millionen Dollar in der Tasche hatte, zeigt, dass er fähig
ist. Er ist als überzeugender und eloquenter Redner beschrieben worden.
Trotzdem tendiert er dazu, seine Zuhörerschaft (abgesehen von denen, die
ähnliche Ansichten haben) zu verlieren, wenn er seine Verschwörungstheorien
und seine extremistischen Ansichten, wie die Probleme der Welt zu lösen
seien, vertieft. In einer seiner verrückten Theorien entfaltet er die Idee,
AIDS-Patienten in den USA unter Quarantäne zu stellen. Während es vielleicht
möglich wäre, ein solches Vorhaben unter der Talibanherrschaft oder unter
Mullah Omar zu verwirklichen, ist es in einem Land wie den USA, welches
Bürgerrechte (außer heutzutage für Araber und Muslime) hochhält, nicht
durchführbar. LaRouche ist auch davon überzeugt, dass Großbritannien in
allen Problemen der Welt seine Hände im Spiel hat. Er geht sogar soweit zu
behaupten, dass Queen Elizabeth II. eine aktive Rolle im internationalen
Drogenhandel spiele!

An dieser Stelle möchte ich gerne klar stellen, dass ich keinen persönlichen
Groll gegen LaRouche und seine Anhänger hege. Seit ich vor zehn Jahren einen
ihrer Aktivisten in Karthoum getroffen habe, haben Sie mir ganz zuverlässig
ihren Executive Intelligence Report zugesendet. Aber seit einiger Zeit lese
ich diese Berichte nicht mehr. LaRouches Zeitschrift ist voller unsinniger
Verschwörungen, die niemals alle gleichzeitig stattfinden könnten.

Ich frage mich, warum sich meine Freunde im sudanesischen Außenministerium
immer noch für LaRouche und seine Leute interessieren. Vielleicht haben sie
sie dazu benutzt, die Isolation, die die Amerikaner dem Sudan auferlegt
haben, zu unterlaufen. LaRouche und seine Gruppe wurden regelmäßig während
der Anfänge des heutigen Regimes zu Massendemonstrationen eingeladen. Die
Sudanesen waren froh über solche ,guten' Amerikaner, die im Fernsehen über
die in Washington gegen Karthoum ausgeheckten Verschwörungen sprachen und
die ökonomischen und sozialen Errungenschaften der sudanesischen Revolution
lobten. Und genau das stört mich an LaRouche und seinen Kohorten. Sie
gehören nicht zur Realität. Die Realität ist eben Washington, mit all den
Vorurteilen und dem Hass gegenüber den Arabern und Muslimen und mit dem
Doppelstandard der angelegt wird, wenn es darum geht, sich mit dem Nahen
Osten zu beschäftigen. Soweit es Washington betrifft, ist Arafat ein
Terrorist, während der blutrünstige sudanesische Rebell, John Garang, ein
Freiheitskämpfer ist.

Aber so voreingenommen Washington auch zweifellos gegen uns ist, so sehr ist
es die Realität, dass wir mit ihnen verhandeln müssen. Und wenn wir Freunde
in Washington finden wollen, dann müssen wir diese unter den Republikanern
und Demokraten des Mainstreams suchen. Dabei können wir sogar mit den
extremen Linken (Ralph Nader) oder mit der extrem konservativen Rechten (Pat
Buchanan) Kontakt aufnehmen.

Darüber hinaus können wir von den Erfahrungen der gegenwärtigen und
ehemaligen arabischen Botschafter in den USA und von arabischen und
muslimischen Organisationen in Amerika profitieren, die in den letzten
Jahren an Einfluss gewonnen haben.

Es ist offensichtlich, dass uns unsere sich verschlechternden Beziehungen zu
den USA dazu verleiteten, nach jedem amerikanischen ,Freund' Ausschau zu
halten, den wir finden konnten. Leider führte dies dazu, dass wir solche
Gestalten wie LaRouche und David Duke, ein ultra-rechter Politiker aus den
Südstaaten (und angebliches KKK-Mitglied), umarmen und die wilden Theorien
des französischen Linksaktivisten Thierry Meyssan aus seinem Werk ,L'
Effroyable Imposture' (,Der beängstigende Schwindel') glauben, in denen er
behauptet, dass das Pentagon am 11. September nicht von einem Flugzeug,
sondern von einer Rakete getroffen wurde!

Theorien, die Zweifel an den Ereignissen vom 11. September hegen, sind für
die arabische Seele attraktiv, ebenso Verschwörungsmärchen über
US-amerikanische Pläne, Afghanistan, den Irak, Saudi Arabien und Ägypten zu
besetzen. Das Problem ist, dass uns solche Theorien von dem, was wirklich in
der Welt passiert, ablenken. Wenn wir uns auf diese so genannten
,alternativen' Quellen von Informationen berufen, verwirren wir uns nur
selbst. Viele unserer amerikanischen Freunde aus dem Mainstream haben
heutzutage ernsthafte Schwierigkeiten, ihre Meinung zu äußern, ganz zu
schweigen von den Problemen, sich für lokale oder nationale Wahlen
aufstellen zu lassen. Ein amerikanischer Politiker, der sich öffentlich für
die Araber einsetzt oder sogar eine Spende einer arabischen Organisation
akzeptiert, wird heute ein ähnliches Schicksal haben wie ein libanesischer
Kandidat, der behauptet, dass Israel ein Recht auf die Wazzani Quellen habe.

Wir sollten uns nicht dahingehend täuschen lassen, solche Gestalten wie
LaRouche und Duke wegen ihrer scheinbaren Parteinahme für unsere Sache zu
unterstützen, weil sie sich gänzlich von Leuten, wie z.B. dem ehemaligen
Abgeordneten Paul Findley unterscheiden, der seine Unterstützung für die
Araber mit seinem Sitz im Kongress bezahlen musste oder von John Sununu,
dessen Sohn sich für die Präsidentschaft bewirbt.

Ich hoffe, wir werden nicht den Fehler machen, LaRouche oder Menschen wie
ihn zu kulturellen Zusammenkünften hier in Saudi Arabien einzuladen, weil
sie ,Freunde' sind. Diese Leute werden unsere Glaubwürdigkeit zerstören und
uns nichts als Augleich dafür geben. Wir haben schon genug eigene
Verschwörungstheoretiker.

Es sei denn wir zweifeln und wollen uns von einem älteren weltmännischen
Mann aus dem Westen versichern lassen, dass ,Israel ein rassistischer Staat
ist' und ,Ariel Sharon ein Krimineller'."

Posted by Astrid Haarland at November 08, 2002 03:11 EM
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