November 29, 2002
schmerzhafte mails

Und die moderierte attac-Liste ist auch wieder da. Ein Gedicht in einer der ersten mails. Wie nett. Mit viel Schmerz. Mit Weltschmerz. Und die nächste mail in der Liste enthält prompt die Frage: Was sollen wir tun?

Hier ist meine mail an die moderierte Liste:

Wir könnten uns doch als erstes mal darüber im klaren werden, dass es
verdammt viele Leute in den USA gibt, die die Nase voll haben. Die nicht
mehr jeden Abend unterm Bett Osama suchen, die kein Gewehr als Prämie
geschenkt haben wollen, wenn sie ein Konto eröffnen. Die Handzettel
verteilen und mails verschicken, auf denen in großen Lettern ein "Not in our
name" steht.

Wir könnten als zweites gegen das Stereotyp des dumpfen Amerika hier auf
dieser Liste gegen Beiträge mit solchen Tendenzen anschreiben.

Wir könnten als drittes mails an das andere Amerika schreiben und
Nachrichten aus diesem anderen Amerika hier in dieser Liste abdrucken.

Wir könnten als viertes auf jeder Friedenskundgebung, die in unserem Umfeld
stattfindet, auf der wir uns bewegen, TrägerInnen von dusseligen
Demoschildern, auf denen wir platte Antiamerikanismen lesen dürfen, bitten,
ihr Gehirn einzuschalten.

...


Astrid Haarland
www.anoteron.de

Posted by Astrid Haarland at 10:51 FM
Der Zentralrat. Der Talkmaster. Die Diskussion

attac-d debattiert. Über den Zentralrat. Meine mail zur Diskusion:

"Der Zentralrat. Ach ja. Und dieser Talkmaster. Nein sowas. Viel zu viel
Pomade im Haar. Und überhaupt. Die Nase. Und dieses listige, verschlagene
Lächeln. Überhaupt: Haben Sie nicht gesehen, was der wieder für einen Anzug
anhatte? Also, der hat doch bestimmt viel Geld gekostet, nicht wahr, Sie
wissen schon, was ich sagen will?"


"Meine Damen, meine Herren: Ich weiss gar nicht, was Sie haben. Zugegeben:
Die halbe Stunde Talkshow ist auch für mich immer schwer zu ertragen. Ich
hab' nämlich immer so schnell Mitleid mit allen Leuten. In dem Fall jedoch
nicht mit Herrn Friedman! Nein, nicht mit ihm. Sondern mit seinen Gästen.
Kompliment Herr Friedman! Ein dickes Lob für den besten deutschen
Floskelenttarnungsmoderator.

O.K. ich geb zu, bei Ariel Sharon wars nicht ganz so gut, aber irgendwie
doch ganz verständlich, oder? Und dass er Volker Beck nicht ganz so nah auf
die Pelle gerückt ist, wie er's sonst bei seinen Gästen macht, kann ich auch
verstehn.

Am Schluss der Sendung möchte man am liebsten immer alle Kandidaten in den
Arm nehmen und sie trösten mit dem Satz:
"Ist doch gar nicht so schlimm gewesen, mein Schatz. Und beim nächsten Mal
sagst du einfach von vorneherein die Wahrheit!"


Astrid Haarland
www.anoteron.de


So, und zum Ausgleich bringe ich heute auf anoteron.de ein Zitat von Shraga
Elam... ;-))

Es macht richtig viel Spass!

Posted by Astrid Haarland at 10:48 FM
November 16, 2002
Neuheiden

Starhawk, die amerikanische Aktivistin gegen kapitalistische Globalisierung und Naturzerstörung, ist mir mal wieder untergekommen.
Ich bewundere ihre Energie, ihre Informiertheit, ihre Zielgerichtetheit.
Trotzdem: diesr neue Heidenkult, der hat ein "Gschmäckle", wie wir im Schwäbischen sagen.

PD Dr. Sabine Bobert-Stützel, 2001, hat eine ausführliche Analyse vorgelegt: http://mitglied.lycos.de/sbobert/Wiccakult.htm

1) Leiden an Kontingenz und Mangel an Ordnung im Chaos – Geborgen seinin Mutter Natur und ihrer sinnhaften Ordnung:
Jeder Mensch wünscht, sich im Lebensganzen zu verstehen. Die Wicca-Religion bietet keine postmoderne Lösung: Sie ist zwar auf die biographischen Freiheiten und Nöte der Pluralisierung bezogen, löst sie jedoch durch den theoretischen Anspruch einer Metaerzählung, eines generalisierenden Deutungsmusters als höhere Ordnung und Sinninstanz. Wicca versteht das Universum als geordnetes Netzwerk, in dem alle Ereignisse miteinander verknüpft sind und nicht allein aus Zufall entstehen. Diese Ordnung wird mit Mutterphantasien aufgeladen, die starke Geborgenheitsgefühle wecken können – und das Ausgeliefertsein ans Chaos ausblenden: Man kann nie aus den Armen der Mutter herausfallen.

2) Leiden an Ohnmacht – in den schwächsten Momenten der Biographie mit wunderbaren Kräften gesegnet sein:
Eines der Grundgefühle des biographischen Bastlers in postmodernen Gesellschaften angesichts realer politischer und wirtschaftlicher Einflußlosigkeit ist Schwäche oder gar Ohnmacht. Wie läßt sich ein biographischer roter Faden weben, wenn Partnerschaften an kompensatorischen Erwartungen zerbrechen und nicht weiter als bis zur derzeitigen Ausbildungs- bzw. Berufsphase geblickt werden kann? Wicca löst dieses Problem regressiv durch narzißtische Phantasien: Diese Religion verheißt Allmacht, Größe und symbiotische Teilhabe an nicht weniger als den Kräften der Welt. Apaika: „... es geht alles über die Bewußtseinserweiterung. Wenn man das Gesetz der Schöpfungsordnung erkennt und sich einschwingt, wird es magisch. Ich spüre die Kräfte, die die Götter mir geben, ich werde mächtig, allmächtig.“[26] Gaea: „Gedanken sind Kräfte. ... Du kannst mit Gedanken vernichten, du kannst mit Gedanken heilen.“ Die eigene narzißtische Übergröße entsteht durch eine phantasierte Symbiose mit der ideal-guten, allmächtigen, allgegenwärtigen Mutter. Gaea: „Eine riesige Kraft, die ich habe. ... ich bin eine Riesin. Das ist ein ungeheures Gefühl.“ Hinzu kommt der Trost, biographisch auserwählt zu sein und die Welt retten zu können.

3) Individuation, Trauer und Unsicherheit – durch Symbiose vermeiden:
Wer Wicca angehört, die oder der relativiert sich als Teil eines Ganzen wie der kosmischen Ordnung, der irdischen Natur („mit mir und der Erde identisch zu sein“). Auch das soziale Gebilde des Coven reißt persönliche Grenzen nieder, was sich z.B. in der rituellen Nacktheit ausdrückt. In dieser Intimität streift das Individuum die Last seiner Vereinzelung ab. Alle Rituale zielen auf regressive Prozesse und führen letztlich den Erwachsenen zurück zum Kind in ihm und das Kind zurück zu einer (paradiesisch inszenierten) Einheit im Schoße der Mutter, wie sie in ritueller Ekstase erlebt werden soll. „Der Hexenglaube erklärt nicht nur, sondern lehrt uns auch die Kommunikation mit dem kindlichen Selbst wieder.“[27] Damit sind kognitive und emotionale Regression verbunden: Komplexes wird auf einfache Grundregeln und Kreisläufe zurückgeführt, die qua Analogie bildhaft erschließbar erscheinen. Ambivalente Gefühle werden weitgehend um ihre negativen Ambivalenzen gekappt. Kognitive und gefühlsmäßige Verunsicherungen werden möglichst zurückgelassen. Identitätswandlung geschieht also durch Rückkehr zu früheren Entwicklungsstufen. Damit wird ein wichtiger therapeutischer Aspekt aufgegriffen und in den Kern dieser Religion gestellt. Allerdings werden im therapeutischen Rahmen regressive Prozesse gezielt dazu eingesetzt, um Fehlendes nachwachsen zu lassen und ´Verlorenes´ zu integrieren. Dies ermöglicht dann Schritte in Richtung Individuation, größerer kognitiver und vor allem emotionaler Komplexität. In Wicca hingegen erscheint Regression als Selbstzweck, wird das Kind zum Ziel und die Regression auf ein magisches Weltbild zum Gesamtrahmen von Weltdeutung. Die mächtige Mutter bleibt immer im Hintergrund. Der an Autonomie überforderte Erwachsene flieht zurück zur großen Mutter und bleibt bei ihr wohnen.

aus: PD Dr. Sabine Bobert-Stützel, 2001
http://mitglied.lycos.de/sbobert/Wiccakult.htm

Posted by Gertrud Schrenk at 11:38 FM
November 13, 2002
Putin in Zug

...und Gorbatschov verleiht ihm (in Abwesenheit) den Demiurgus-Friedenspreis

kann das wahr sein???

Große Resonanz hat das mit internationalen Politgrößen besetzte Ereignis jedenfalls nicht gefunden. Im Internet gibt es grad mal 2 deutsche links und 1 russischer zum Thema...

An der Aufdeckung der wahren Hintergründe dieses Spektakels waren greenpeace und die Wochenzeitung WOZ beteiligt.

"Das russische Staatsorchester unter der Leitung von Wladimir Spiwakow spielte Tschaikowski und Rachmaninow, es gab Champagner und Kaviarhäppchen, und moderiert wurde die Veranstaltung von den bezaubernden Schönheiten Michelle Hunziker und Lolita Morena.
Ihre Brisanz erhält die scheinbar beschauliche Veranstaltung dadurch, dass der Verwaltungsrats-Vorsitzende der Zuger Aktiengesellschaft NDF kein Geringerer als der mehrmalige Schach-Weltmeister Anatoli Karpow ist und dass die Firma NDF mit nuklearer Abrüstung und der Atomindustrie zu tun hat: NDF = Nuclear Disarmament Forum.
Greenpeace protestierte mit der Begründung, die Veranstaltung sei lediglich eine PR-Aktion der schweizerischen und europäischen "Nukleokraten". Eine angemeldete Delegation von Stadt und Kanton Zug sagte kurz vor Beginn der Veranstaltung ihre Teilnahme ab."
Gerald Schendel am 18.10.2002 in den Schach Nachrichten

Posted by Gertrud Schrenk at 11:44 EM
Dass es auch so geht:

Mal was Positives: wie man dem schleichenden Nach-Rechts-Weichen auch begegnen kann.
Es muss nicht immer nach noch mehr Ordnung und noch mehr Macht-Gewalt gerufen werden.

"Die Kerze für den Attentäter, der am 27. September 2001 im Zuger Kantonsrat 14 Regierungs- und Kantonsräte umgebracht hat, brennt. Als 15. Kerze wurde sie vor Jahresfrist an der Trauerfeier zu St. Michael nicht angezündet." (Zuger Presse vom 5.11. 02)

Nach dem Attentat hat selbst der Polizeipräsident nicht nach schärferen Waffen- und anderen gsetzen gerufen; statt dessen zielten die Äußerungen allgemein darauf, dass der soziale Kontakt gestärkt werden müsse.

Posted by Gertrud Schrenk at 11:24 EM
November 08, 2002
Falsche Freunde Oder: Was will Lyndon LaRouche in den Arabischen Staaten?

Quelle:
MEMRI - Middle East Media Research Institute
MEMRI Special Dispatch - 08. November 2002

Jamal Ahmad Kashoggi: ,Die arabische Suche nach amerikanischen Freunden
endet bei Exzentrikern'

Unter der Überschrift "Die arabische Suche nach amerikanischen Freunden
endet bei Exzentrikern" veröffentlichte die renommierte libanesische
Tageszeitung The Daily Star kürzlich einen Artikel von Jamal Ahmad Kashoggi,
in dem dieser die Sympathien einiger arabischer Intellektueller und
Politiker für den umstrittenen US-amerikanischen Politiker Lyndon LaRouche
und andere Vertreter der US-amerikanischen Rechten kritisiert. Die
Verschwörungstheorien, die von LaRouche oder dem rechtsextremen Politiker
David Duke vertreten werden, stellen nach Ansicht Kashoggis, der als
stellvertretender Chefredakteur für die saudische Zeitung Arab News tätig
ist, ein Hindernis für eine realistische Auseinandersetzung mit den
Herausforderungen der arabischen Welt dar.

Der Artikel Kashoggis spiegelt Positionen wieder, die von arabischen
Intellektuellen bereits in anderen Zusammenhängen geäußert wurden. So
sendete der Fernsehsender al-Jazeera im Herbst 2000 eine Talkshow unter dem
Titel "Der Rechtsextremismus im Westen und die starken arabischen Sympathien
". Der Moderator des Programms, Sami Haddad, nutzte die Sendung für eine
deutliche Kritik dieser Positionen (30. November 2000). Ähnlich scharf fiel
auch ein Kommentar von Abd al-Rahman al-Rashid, Chefredakteurs der in London
erscheinenden arabischen Tageszeitung al-Sharq al-Awsat, aus, der
Sympathiebekundungen im arabischen Fernsehen nach den Wahlerfolgen von Le
Pen kritisierte (23. April 2002, vgl.
http://www.memri.de/uebersetzungen_analysen/themen/europa_und_der_nahe_osten/eu_lepen_25_04_02.html.

Der Artikel Kashoggis erschien am 29. Oktober 2002:

"Ein Kolumnist der Zeitung Okaz aus Jeddah schrieb vor Kurzem über seine
Freude, den ,US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten' Lyndon LaRouche
(als welchen sich LaRouche selbst beschreibt) getroffen zu haben. In einer
Kolumne, die die Rückseite einer kürzlich erschienenen Ausgabe der Zeitung
schmückte, beschrieb der saudische Autor LaRouche als ,eine prominente und
einflussreiche amerikanische Persönlichkeit aus der turbulenten Welt der
amerikanischen Politik'.

Tatsächlich ist das Wort ,turbulent' die einzig angemessene Formulierung in
dem Text des saudischen Kolumnisten, denn LaRouche ist weder prominent noch
einflussreich. Er ist ein Traumtänzer, einer der vielen Exzentriker, die die
politische Bühne der USA verpesten. Es gibt viele LaRouches in Greenwich
Village und an der Columbia University. Die meisten dieser Extremisten (und
bei ihnen handelt es sich um Extremisten) glauben an Verschwörungstheorien,
,versteckte Regierungen' und an eine ,UN-Dominanz' im amerikanischen Leben.
Ihr politischer Hintergrund reicht von Trotzkismus über Marxismus zu
Rassismus und Rechtsextremismus. LaRouche durchlebte all diese Phasen.

Ich wünschte mir, der Kolumnist von Okaz hätte seine Leser über LaRouches
Hintergrund informiert, bevor er sie mit der ,freudigen Nachricht'
aufheiterte, in Amerika gebe es mutige Stimmen, wie diesen ,erfahrenen
Politiker, die rational denken und eine faire und ausgeglichene Politik
betreiben würden, wenn sie ins Weiße Haus kämen'.

Unser saudischer Kollege wäre gut beraten, wenn er sich mit seinem
Enthusiasmus etwas zurückhalten würde, weil LaRouche nicht in den Kongress
gewählt werden, geschweige denn Präsident werden kann. Denn Tatsache ist,
dass er ein verurteilter Betrüger ist, der schon mal im Gefängnis saß.

Die Tatsache, dass ein saudischer Intellektueller so froh war, einen
Amerikaner zu finden - wenn auch einen Exzentriker - der die arabische Sache
unterstützt, war die eine Sache. Ihn aber auf eine ernstzunehmende Konferenz
einzuladen, steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber genau das taten die
Vereinigten Arabischen Emirate, als sie ihn auf eine internationale
Konferenz über Öl und Erdgas in Abu Dhabi einluden und ihm dadurch die
Möglichkeit gaben, sich an die arabische Welt zu wenden. LaRouche wurde
gefeiert und war der Star vieler Pressekonferenzen.

Es muss erwähnt werden, dass LaRouche eine vernünftige und attraktive Seite
hat. Er ist unzweifelhaft intelligent und sehr belesen. Die Tatsache, dass
er mit 42 Jahren (1964) seinen Beruf als finanzieller Berater aufgab und
mehr als eine Millionen Dollar in der Tasche hatte, zeigt, dass er fähig
ist. Er ist als überzeugender und eloquenter Redner beschrieben worden.
Trotzdem tendiert er dazu, seine Zuhörerschaft (abgesehen von denen, die
ähnliche Ansichten haben) zu verlieren, wenn er seine Verschwörungstheorien
und seine extremistischen Ansichten, wie die Probleme der Welt zu lösen
seien, vertieft. In einer seiner verrückten Theorien entfaltet er die Idee,
AIDS-Patienten in den USA unter Quarantäne zu stellen. Während es vielleicht
möglich wäre, ein solches Vorhaben unter der Talibanherrschaft oder unter
Mullah Omar zu verwirklichen, ist es in einem Land wie den USA, welches
Bürgerrechte (außer heutzutage für Araber und Muslime) hochhält, nicht
durchführbar. LaRouche ist auch davon überzeugt, dass Großbritannien in
allen Problemen der Welt seine Hände im Spiel hat. Er geht sogar soweit zu
behaupten, dass Queen Elizabeth II. eine aktive Rolle im internationalen
Drogenhandel spiele!

An dieser Stelle möchte ich gerne klar stellen, dass ich keinen persönlichen
Groll gegen LaRouche und seine Anhänger hege. Seit ich vor zehn Jahren einen
ihrer Aktivisten in Karthoum getroffen habe, haben Sie mir ganz zuverlässig
ihren Executive Intelligence Report zugesendet. Aber seit einiger Zeit lese
ich diese Berichte nicht mehr. LaRouches Zeitschrift ist voller unsinniger
Verschwörungen, die niemals alle gleichzeitig stattfinden könnten.

Ich frage mich, warum sich meine Freunde im sudanesischen Außenministerium
immer noch für LaRouche und seine Leute interessieren. Vielleicht haben sie
sie dazu benutzt, die Isolation, die die Amerikaner dem Sudan auferlegt
haben, zu unterlaufen. LaRouche und seine Gruppe wurden regelmäßig während
der Anfänge des heutigen Regimes zu Massendemonstrationen eingeladen. Die
Sudanesen waren froh über solche ,guten' Amerikaner, die im Fernsehen über
die in Washington gegen Karthoum ausgeheckten Verschwörungen sprachen und
die ökonomischen und sozialen Errungenschaften der sudanesischen Revolution
lobten. Und genau das stört mich an LaRouche und seinen Kohorten. Sie
gehören nicht zur Realität. Die Realität ist eben Washington, mit all den
Vorurteilen und dem Hass gegenüber den Arabern und Muslimen und mit dem
Doppelstandard der angelegt wird, wenn es darum geht, sich mit dem Nahen
Osten zu beschäftigen. Soweit es Washington betrifft, ist Arafat ein
Terrorist, während der blutrünstige sudanesische Rebell, John Garang, ein
Freiheitskämpfer ist.

Aber so voreingenommen Washington auch zweifellos gegen uns ist, so sehr ist
es die Realität, dass wir mit ihnen verhandeln müssen. Und wenn wir Freunde
in Washington finden wollen, dann müssen wir diese unter den Republikanern
und Demokraten des Mainstreams suchen. Dabei können wir sogar mit den
extremen Linken (Ralph Nader) oder mit der extrem konservativen Rechten (Pat
Buchanan) Kontakt aufnehmen.

Darüber hinaus können wir von den Erfahrungen der gegenwärtigen und
ehemaligen arabischen Botschafter in den USA und von arabischen und
muslimischen Organisationen in Amerika profitieren, die in den letzten
Jahren an Einfluss gewonnen haben.

Es ist offensichtlich, dass uns unsere sich verschlechternden Beziehungen zu
den USA dazu verleiteten, nach jedem amerikanischen ,Freund' Ausschau zu
halten, den wir finden konnten. Leider führte dies dazu, dass wir solche
Gestalten wie LaRouche und David Duke, ein ultra-rechter Politiker aus den
Südstaaten (und angebliches KKK-Mitglied), umarmen und die wilden Theorien
des französischen Linksaktivisten Thierry Meyssan aus seinem Werk ,L'
Effroyable Imposture' (,Der beängstigende Schwindel') glauben, in denen er
behauptet, dass das Pentagon am 11. September nicht von einem Flugzeug,
sondern von einer Rakete getroffen wurde!

Theorien, die Zweifel an den Ereignissen vom 11. September hegen, sind für
die arabische Seele attraktiv, ebenso Verschwörungsmärchen über
US-amerikanische Pläne, Afghanistan, den Irak, Saudi Arabien und Ägypten zu
besetzen. Das Problem ist, dass uns solche Theorien von dem, was wirklich in
der Welt passiert, ablenken. Wenn wir uns auf diese so genannten
,alternativen' Quellen von Informationen berufen, verwirren wir uns nur
selbst. Viele unserer amerikanischen Freunde aus dem Mainstream haben
heutzutage ernsthafte Schwierigkeiten, ihre Meinung zu äußern, ganz zu
schweigen von den Problemen, sich für lokale oder nationale Wahlen
aufstellen zu lassen. Ein amerikanischer Politiker, der sich öffentlich für
die Araber einsetzt oder sogar eine Spende einer arabischen Organisation
akzeptiert, wird heute ein ähnliches Schicksal haben wie ein libanesischer
Kandidat, der behauptet, dass Israel ein Recht auf die Wazzani Quellen habe.

Wir sollten uns nicht dahingehend täuschen lassen, solche Gestalten wie
LaRouche und Duke wegen ihrer scheinbaren Parteinahme für unsere Sache zu
unterstützen, weil sie sich gänzlich von Leuten, wie z.B. dem ehemaligen
Abgeordneten Paul Findley unterscheiden, der seine Unterstützung für die
Araber mit seinem Sitz im Kongress bezahlen musste oder von John Sununu,
dessen Sohn sich für die Präsidentschaft bewirbt.

Ich hoffe, wir werden nicht den Fehler machen, LaRouche oder Menschen wie
ihn zu kulturellen Zusammenkünften hier in Saudi Arabien einzuladen, weil
sie ,Freunde' sind. Diese Leute werden unsere Glaubwürdigkeit zerstören und
uns nichts als Augleich dafür geben. Wir haben schon genug eigene
Verschwörungstheoretiker.

Es sei denn wir zweifeln und wollen uns von einem älteren weltmännischen
Mann aus dem Westen versichern lassen, dass ,Israel ein rassistischer Staat
ist' und ,Ariel Sharon ein Krimineller'."

Posted by Astrid Haarland at 03:11 EM
November 06, 2002
Hellingers Ideologie

Weiterleitung eines Beitrags meines Mannes,
Robert Berghausen

Hellinger charakterisiert sich selbst. Auf seiner Top-Internetseite ist ein Referat abgedruckt, das er am Goethe-Institut in Athen hielt. Thema "Bewegungen auf Frieden hin - Wege zur Versöhnung". Das folgende Zitat ist die Konklusion des Vortrags:

"Ich spreche hier ja im Goethe Institut. Dann möchte ich etwas über die deutsche Situation in dieser Hinsicht sagen. Stellt euch vor, wenn die Deutschen sagen würden: "Hitler ist einer von uns, ein Mensch wie wir. Wir nehmen ihn auf als einen von uns mit Mitleid. Und nicht nur ihn, sondern alle, die ihm gefolgt sind." Wenn wir auf einmal anerkennen, dass auch sie im Grunde nur ihrem Gewissen gefolgt sind und im Gefolge ihres Gewissens sich als Opfer gefühlt haben. Und dass sie ihre furchtbaren Taten im Grunde mit gutem Gewissen vollbracht haben. Wenn wir dann zugleich auf all die Opfer schauen, die das Dritte Reich hinterlassen hat, die umgebracht wurden, und wenn wir ihnen auch einen Platz in unserem Herzen geben, und wenn wir am Ende die Täter und die Opfer zusammen sehen als zusammengehörig, wenn wir mit ihnen zusammen trauern um das, was geschehen ist, dann hört jede Überlegenheit und jede Angst auf.

Was würde in den Seelen der Deutschen geschehen, wenn ihnen das gelänge. Und wie wären sie dann für andere Völker? Welche Kraft ist dann freigesetzt? Das ist der eigentliche Weg zur Versöhnung."

Zitiert aus: http://www.hellinger.com/deutsch/virtuelles_institut/bert_hellinger/reiseberichte/griechenland_sep_2002.shtml

Alles verstehen, heisst alles verzeihen. Laut Hellinger versteht man eine Gewissensentscheidung nur dann, wenn man über eine Spezialinformation verfügt: das Gewissen folgt nämlich der sogenannten Volksseele. Hitler ist der Exponent dieser Volksseele der Jahre 1933-45. Er tat nur das, was von aussen an ihn herangetragen wurde. Die Millionen Opfer der Naziverbrechen sind natürliche Ergebnisse eines organischen Prozesses. Ihr Schicksal ist so normal wie das der umgeknickten Bäume nach einem Tornado.
Wenn Hellinger Versöhnung predigt, dann ist damit lediglich die Akzeptanz einer Naturordnung gemeint.
Hellingers Ideologie ist Soziobiologismus. Die Denkvoraussetzungen seines Systems hängen völlig in der Luft. Er appelliert an ein Ordnungssystem, das er selber geschaffen hat. Die von ihm postulierte Kollektivseele ist ein Konstrukt der Theosophie des 19. Jahrhunderts. In faschistischen Denkweisen taucht die zwingende Macht des Volkes, der Ahnen, der Sippe als Begründungsinstanz individuellen Handelns immer wieder auf. Damit ist absolut jede Tat gerechtfertigt, sie muss nur konform sein.

Wie gut für Hellinger selbst, dass er groben Unfug predigt. Die Volksseele des demokratischen Deutschland hätte ihm sonst den Garaus gemacht.

Posted by Astrid Haarland at 08:14 EM
November 05, 2002
"Aus Sicht des Kurses ist nichts geschehen"

Noch ein Marketing-Konzept einer Psycho-Gruppe, die firmiert unter
"Ein Kurs in Wundern"
Wenn man sich den Kurs von aussen betrachtet, gibt es keine Probleme. Die tauchen erst auf, wenn der Kurs als Einweihungsweg gewählt wird. Eine Grundübung besteht darin, die Welt als Täuschung zu sehen. Aber auch den Kurs selbst ist wohl Täuschung. Nichts ist wirklich. Alles, was man bislang für wahr und wirklich hielt, ist Illusion.

Das führt dann unter anderem zu folgenden Reaktionen:

Das Beispiel stammt von meinem Mann, Robert Berghausen.

Im Frühjahr 2002 richtete ein Schüler in einer Erfurter Schule ein Blutbad an. Als Beispiel für eine von vielen Möglichkeiten, die Welt gnostisch zu sehen, drucke ich eine Passage aus einem Forumsbeitrag zum "Kurs in Wundern" hier ab. Der gesamte Beitrag ist unter folgender Adresse zu erreichen:
http://www.sackmanns.de/die_tat_von_erfurt.htm


Hier der Ausschnitt:

"Aus Sicht des Kurses ist nichts geschehen.
Und aus meiner Sicht eigentlich nichts besonderes. Ich bin von meiner Tagesordnung in keiner Weise abgewichen. Ich bin nicht betroffen .
Ich würde helfen , wenn ich wüßte wie.
...

Schröder war betroffen. Man sieht es seinem Gesicht an und der Außenminister auch. Das sind eben die besseren Menschen , die echt betroffenen Profis der Propaganda machen es uns vor , auf Abruf bei jedem Anlass wo es etwas zu trauern gilt , da trauern sie , da fehlen ihnen die Worte , gerade weil es so gute Menschen sind. Ich glaube, je näher dran man sich an dem Geschehen befindet , um so eher fühlt man sich echt betroffen.
Am nächsten dran ist man , wenn man selber getroffen ist.
Aber näher dran sein heißt möglicherweise auch , daß die Verzerrung vergrößert wird. Das sich identisch fühlen mit der eigenen Geschichte , der eigenen Person , dem eigenen Körper ist vielleicht die größtmögliche Verzerrung , aus der heraus das Leiden ensteht. Die eigene Geschichte ist nichts als Vergangenheit und diese existiert nicht.
Sie ist vergangen. Aber es existiert ein Glauben daran und dieser verursacht Schmerz."

Zitatende


Bevor man in ein großes Lamento ausbricht über so viel Schwachsinn und geistigen Nebel, wäre es nicht verkehrt, einmal kurz innezuhalten und darüber nachzudenken, warum manche Menschen sich aus der Realität ausklinken und das Reich der eigenen Befindlichkeit aufsuchen.

Das Blutbad an der Erfurter Schule haben wir fast alle nur als mediale Inszenierung erlebt, nicht anders als all die Kriege und Katastrophen, die wir uns abens am Fernseher reinziehen. Wir ahnen und teilweise wissen wir es, dass wir manipuliert und manchmal dreist belogen werden. Die Serie von Selbstmordattentaten in Israel/Palästina sieht sich anders an, ob ich CNN sehe oder Al Dschasira, bzw. sofort im Internet selber recherchiere.
Es geht also mal wieder um die Wahrheitsfrage. Der "Weg nach innen" ist eine der Möglichkeiten, sich dem Problem zu nähern. Zu erkennen, dass uns die Medien täuschen (man beachte den doppelten Wortsinn), ist eine richtige Erkenntnis. Die darauf folgende könnte sein, dass auch der Weg ins eigene Bewusstsein nicht unbedingt zu Erleuchtungen führt.
Wahrheit konstituiert sich aus vielen Einzelheiten. Und da heisst es, nicht so schnell zu resignieren. Uns stehen vielfältige Informations- und Erkenntnismöglichkeiten zur Verfügung. Meditative Versenkung kann uns weiter bringen, wenn wir dadurch den Kopf frei bekommen, um mit Fleiß und Gedankenschärfe weiter zu forschen. Doch ebenso kann Spiritualität ein bequemes Mittel sein, um sich aus dem Leben dieser Welt auszuklinken und diese Flucht dann noch als Erleuchtung auszugeben.


Der "Kurs in Wundern" ist eine Mischung aus Gnosis, Origenismus und Vedanta. Er hat eine Pseudo-Logik, die vor allem Nicht-Geisteswissenschaftler verblüfft. Er vermittelt Sinn und Sicherheit und gibt ein Ziel vor. Wer sich die Praxis anschauen möchte, verweise ich noch einmal auf das Forum
http://www.f20.parsimony.net/forum36831/index.htm

Hier unterhalten sich Lehrer und Schüler des Kurses über Lebensprobleme, die in Zusammenhang mit den Übungen stehen. Manche Beiträge zeigen, wie stark die Einbindung in ein geschlossenes Denksystem wirkt. Sehr beeindruckend fand ich, wie der Krebstod einer Schülerin diskutiert wurde.(Forum Seite 69) Ihr Lebenspartner hatte der schmerzgepeinigten Frau kurz vor ihrem Tod aus dem "Kurs" vorgelesen. Er hatte eine Stelle gelesen, die vom Schmerz handelt. Der "Kurs" sagte, dass Schmerzen unnötig sind und durch Liebe und Vergebung beseitigt werden können. Der Mann berichtet, dass seine Partnerin geweint hat. Warum wohl, frage ich mich. Offensichtlich, weil sie neben den Schmerzen auch noch die Schmach hatte. Etwas mehr Vergebung, etwas mehr Liebe und es gibt weder Krebs noch Schmerz.

Der Kurs ist im Anwendungsteil, in der täglichen Praxis, eine Schönwetterreligion. Er versucht einen künstlichen Himmel zu erzeugen und negiert einfach die realen Probleme. Dieses schizoide Denkmuster macht krank.

Posted by Astrid Haarland at 01:10 EM